— Ratgeber

Wie viele Fotos braucht dein Inserat?

Die Frage klingt, als wäre die Antwort eine Zahl. Ein echtes Inserat mit zwanzig Fotos zeigt, warum sie es nicht ist.

Für Motorrad- und Autoverkäufer · Juli 2026

Hier ist ein echtes Inserat. Zwanzig Fotos, ein gepflegter Maxi-Roller, praktisch neuwertig. Das Inserat war 116 Tage online, ohne Verkauf.

Übersicht aller 20 Original-Fotos eines Inserats: elf Cockpit-Aufnahmen, vier Topcase-Bilder, die Gesamtansichten bei Tageslicht erst auf den Plätzen 18 bis 20
ALLE 20 FOTOS EINES ECHTEN INSERATS (ANONYMISIERT). ELFMAL DAS COCKPIT — DIE GESAMTANSICHTEN BEI TAGESLICHT ERST AUF DEN PLÄTZEN 18 BIS 20.

Elf der zwanzig Fotos zeigen das Cockpit-Display. Erst Bordcomputer, dann Reichweite, dann die Einstellungs-Menüs, Bild für Bild. Das Topcase bekommt vier Fotos. Der Roller selbst taucht erst ab Platz 12 auf — zuerst von hinten, dann im Halbdunkel der Garage. Und die Gesamtansichten bei Tageslicht, die ein Käufer als Erstes braucht, stehen ganz am Ende: auf den Plätzen 18 bis 20.

Zwanzig Fotos, und trotzdem fehlt fast alles, was ein Käufer sehen will. Die Anzahl war nie das Problem.

Was ein Käufer mit deinen Fotos macht

Ein Käufer blättert deine Fotos nicht durch wie ein Album. Er sucht Antworten. Wie sieht das Fahrzeug wirklich aus? In welchem Zustand sind die Teile, die Geld kosten? Was verschweigt mir der Text?

Jedes Foto, das eine dieser Fragen beantwortet, arbeitet für dich. Jedes Foto, das nur wiederholt, was das vorige schon gezeigt hat, ist Ballast. Und jede Frage, die deine Fotos offen lassen, verschwindet nicht — sie wandert in die Besichtigung und wird dort zum Argument beim Handeln. Warum das so ist, steht ausführlicher im Artikel über die „Was ist letzter Preis?"-Nachricht: Was der Käufer nicht sehen kann, ergänzt er nicht wohlwollend.

Deshalb ist die richtige Frage nicht „wie viele Fotos?", sondern: Welche Fragen lassen meine Fotos offen?

Die Motive, die fast immer fehlen

In schwachen Inseraten fehlen selten Fotos — es fehlen dieselben Motive. Fast immer diese:

Die Gesamtansicht mit Abstand. Das ganze Fahrzeug, bei Tageslicht, von beiden Seiten. Klingt selbstverständlich, ist es nicht: Man fotografiert die Details, die man selbst gern ansieht — das Display, das Zubehör, die Anbauteile — und vergisst, dass ein Fremder das Fahrzeug noch nie gesehen hat. Er braucht zuerst das Ganze, dann die Nahaufnahmen. Im Beispiel oben stehen die drei brauchbaren Gesamtansichten auf den Plätzen 18 bis 20.

Der Tacho. Der Kilometerstand steht im Text, aber Käufer glauben Fotos mehr als Zahlen im Fließtext. Ein Tacho-Foto beantwortet die Frage, bevor sie gestellt wird.

Die Teile, die Geld kosten. Beim Motorrad: Reifen und Kette — das Erste, was bei der Besichtigung angeschaut wird, und das Erste, was als Preisargument kommt, wenn es nicht zu sehen war. Beim Auto: der Innenraum und der Kofferraum. Ein Auto, von dem es nur Außenaufnahmen gibt, liest sich, als gäbe es einen Grund dafür.

Die Seite mit der Macke. Das am häufigsten fehlende Foto überhaupt — und das einzige, das Vertrauen aufbaut, gerade weil es etwas Negatives zeigt. Dazu gleich mehr.

Das Macken-Foto: das wichtigste Bild, das fast niemand macht

Der Kratzer am Tank, die Schramme an der Felge, der Steinschlag in der Haube. Der Reflex ist, diese Seite wegzulassen. Verständlich — und genau falsch herum.

Ein Käufer, der eine benannte Macke auf einem Foto sieht, weiß zwei Dinge: wie schlimm es wirklich ist (meistens: weniger schlimm als gedacht), und dass du nichts versteckst. Ein Käufer, der die rechte Seite auf keinem einzigen Foto findet, nimmt das Schlimmste an — und zieht es vom Preis ab, bevor ihr überhaupt gesprochen habt. Vage ist teurer als konkret, bei Fotos genauso wie im Text.

Das Kennzeichen

Ob dein Kennzeichen im Inserat lesbar sein soll, ist deine Entscheidung — viele wollen das nicht, und dafür gibt es gute Gründe. Du musst deswegen kein Foto weglassen: Auf offerframe.at/kennzeichen kannst du das Kennzeichen in deinen Fotos unkenntlich machen. Kostenlos, direkt im Browser — deine Fotos verlassen dabei dein Gerät nicht.

Und die Anzahl?

Es gibt keine magische Zahl, und wir erfinden hier keine. Die ehrliche Antwort: genug, dass keine der Fragen oben offen bleibt — und kein Foto doppelt.

Bei einem Motorrad sind das meist acht bis zwölf Motive, bei einem Auto eher mehr, weil der Innenraum dazukommt. Die Obergrenze der Plattform ist fast nie das Problem. Das Problem ist die Auswahl: Zwanzig Fotos, die dasselbe zeigen, antworten auf weniger Fragen als acht, die je eine beantworten.

Der Roller aus dem Beispiel hatte übrigens fast alle nötigen Motive — sie standen nur am Ende, hinter elf Cockpit-Bildern. Als das Inserat neu aufgestellt wurde, führte eine Gesamtansicht bei Tageslicht:

BMW C 400 GT in Schwarz mit Topcase, Drei-Viertel-Frontansicht bei Tageslicht
DASSELBE FAHRZEUG. DAS BILD, DAS JETZT ALS ERSTES GEZEIGT WIRD — DIE GESAMTANSICHT STATT DES DISPLAYS.

Wo dieser Artikel endet

Welche Motive dein Inserat braucht, weißt du jetzt. Was dieser Artikel dir nicht abnehmen kann: das Urteil für dein konkretes Fahrzeug. Welches deiner Fotos als Hauptbild führt, in welcher Reihenfolge die anderen wirken, und was deine Bilder gemeinsam mit dem Text erzählen sollen — das hängt am einzelnen Fahrzeug, an seiner Geschichte und an seinem Markt.

Genau das ist ein Teil des Inserat-Befunds: Wir sehen uns dein Inserat an, wie ein Käufer es sieht — Fotos, Text und Preis zusammen — und sagen dir, welche Fragen es offen lässt.

Im großen Auftritt gehen wir bei Bedarf noch einen Schritt weiter und richten einzelne Fotos selbst her — Helligkeit und Kontrast, damit dein Fahrzeug im Fokus steht. Mängel retuschieren wir dabei nie: Was bei der Besichtigung sichtbar ist, muss vorher im Inserat sichtbar sein.

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